Beamter oder Angestellter als Lehrer in Bayern? Gehalt, Pension und Krankenversicherung im Vergleich
Bayern zahlt mit das höchste Lehrergehalt in Deutschland. Trotzdem macht es einen erheblichen Unterschied, ob man verbeamtet oder angestellt unterrichtet. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede bei Nettolohn, Jahressonderzahlung, Beihilfe und Pension konkret mit Zahlen für 2026.
Der wichtigste Unterschied auf einen Blick
In Bayern werden Lehrkräfte grundsätzlich verbeamtet, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Angestellte Lehrkräfte sind die Ausnahme: Quereinsteiger ohne zweites Staatsexamen, befristete Vertretungsstellen oder Personen, die das Höchstalter von 45 Jahren überschritten haben. Bayern liegt beim Lehrergehalt bundesweit an der Spitze, und das gilt für Beamte noch deutlicher als für Angestellte.
Hinweis: Nettowerte für Steuerklasse I, ledig, keine Kinder, keine Kirchensteuer. Beim Beamten ist ein PKV-Beitrag von ca. 350 Euro abgezogen. Die tatsächlichen Werte hängen von persönlichen Faktoren ab. Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung.
Gehaltsvergleich: Was kommt netto an?
Bayern gehört bundesweit zur Spitzengruppe bei der Lehrerbesoldung. Das Einstiegsgehalt in A13 liegt in Bayern höher als in fast allen anderen Bundesländern. Der Nettovorteil des Beamten entsteht durch den Wegfall von Rentenversicherung, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung sowie die günstigere PKV mit Beihilfe.
| Position | Beamter A13, Stufe 3 | Angestellter E13, Stufe 3 |
|---|---|---|
| Bruttogehalt/Monat (inkl. JSZ anteilig) | ca. 5.248 Euro | ca. 5.133 Euro |
| Lohnsteuer | ca. 1.248 Euro | ca. 1.010 Euro |
| Rentenversicherung | entfällt | ca. 477 Euro |
| Arbeitslosenversicherung | entfällt | ca. 67 Euro |
| Pflegeversicherung | entfällt | ca. 123 Euro |
| Krankenversicherung GKV | entfällt (PKV stattdessen) | ca. 431 Euro |
| PKV-Beitrag Beamter | ca. 350 Euro | entfällt |
| VBL-Zusatzrente Angestellter | entfällt | ca. 45 Euro |
| Netto geschätzt | ca. 3.650 Euro | ca. 2.980 Euro |
| Monatlicher Nettovorteil Beamter | ca. 670 Euro mehr netto | |
Bayern-Besonderheit Jahressonderzahlung: Bayerische Beamte erhalten jährlich im November eine Sonderzahlung in Höhe von 100 Prozent eines Monatsgehalts (für A13). Angestellte im TV-L Bayern erhalten dagegen nur ca. 35 Prozent. Das macht beim Beamten jährlich rund 5.248 Euro extra gegenüber ca. 1.797 Euro beim Angestellten. Dieser Unterschied ist in den monatlichen Nettowerten oben bereits anteilig eingerechnet.
Besoldung Beamter: A12 und A13 in Bayern
Bayern hat die höchste Lehrerbesoldung aller Bundesländer. Grundschul- und Mittelschullehrkräfte werden seit 2024 schrittweise von A12 auf A13 angehoben, bis 2028 vollständig. Alle anderen Lehramtskräfte starten bereits in A13. Aktuelle Werte (gültig ab Februar 2025, Stand 2026):
| Lehramt / Schulform | Bes.gruppe | Einstieg (Stufe 1) | Nach 6 Jahren (Stufe 4) | Endstufe (Stufe 8) |
|---|---|---|---|---|
| Grundschule, Mittelschule (bis 2028) | A 12 + Zulage | ca. 4.087 Euro | ca. 4.530 Euro | ca. 5.097 Euro |
| Grundschule, Mittelschule (ab 2028) | A 13 | ca. 4.690 Euro | ca. 5.048 Euro | ca. 5.650 Euro |
| Realschule, Förderschule | A 13 | ca. 4.690 Euro | ca. 5.048 Euro | ca. 5.650 Euro |
| Gymnasium, Berufl. Schulen | A 13 + Zulage | ca. 5.248 Euro | ca. 5.531 Euro | ca. 5.870 Euro |
Bayern ist bundesweit Spitzenreiter bei der Lehrerbesoldung in A13. Das Einstiegsgehalt für Gymnasiallehrer liegt mit ca. 5.248 Euro gut 500 Euro über dem Bundesdurchschnitt. Dazu kommen Familienzuschlag (je nach Ortsklasse unterschiedlich), vermögenswirksame Leistungen und die 100-prozentige Jahressonderzahlung.
Entgelt Angestellte: TV-L Bayern
Angestellte Lehrkräfte in Bayern werden nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) vergütet. Die Eingruppierung richtet sich nach Schulform und Qualifikation. Aktuelle Bruttogehälter (Stand 2026):
| Lehramt / Schulform | Entgeltgruppe | Stufe 1 | Stufe 3 | Stufe 6 (Endstufe) |
|---|---|---|---|---|
| Grundschule (ohne vollst. Lehramtsabschluss) | E 11 | ca. 4.080 Euro | ca. 4.340 Euro | ca. 5.130 Euro |
| Grundschule, Realschule (mit Lehramtsabschluss) | E 13 | ca. 4.630 Euro | ca. 5.133 Euro | ca. 6.580 Euro |
| Gymnasium, Berufl. Schulen | E 13 | ca. 4.630 Euro | ca. 5.133 Euro | ca. 6.580 Euro |
Das höhere Bruttogehalt in E13 enthält die Sozialversicherungsbeiträge, die der Arbeitnehmer trägt. Nach Abzug aller Beiträge liegt das Netto eines angestellten Gymnasiallehrers in E13 Stufe 3 bei rund 2.980 Euro, während sein verbeamteter Kollege in A13 auf ca. 3.650 Euro netto kommt. Dazu fällt die bayerische Jahressonderzahlung beim Angestellten mit nur ca. 35 Prozent deutlich geringer aus als die 100 Prozent des Beamten.
Krankenversicherung in Bayern
Bayern bietet kein Wahlrecht zwischen PKV und GKV wie etwa NRW. Beamte sind auf die individuelle Beihilfe und eine ergänzende private Krankenversicherung angewiesen. Angestellte sind GKV-pflichtig.
Beamter: PKV und Beihilfe
Der Freistaat übernimmt 50 Prozent der Krankenkosten als Beihilfe (70 Prozent bei 2 oder mehr Kindern). Den Rest sicherst du über eine PKV. Beitrag für Berufseinsteiger ca. 200 bis 350 Euro pro Monat, deutlich günstiger als GKV.
Angestellter: GKV-Pflicht
Angestellte Lehrkräfte sind sozialversicherungspflichtig und zahlen den vollen GKV-Beitrag von ca. 16,8 Prozent des Bruttos. Kein Beihilfeanspruch, kein PKV-Wahlrecht.
Kein GKV-Wahlrecht
Anders als NRW bietet Bayern keine pauschale Beihilfe mit GKV-Option. Wer als bayerischer Beamter privat nicht versicherbar ist, steht vor einer echten Herausforderung.
PKV früh abschließen
Je jünger und gesünder du beim Einstieg in die PKV bist, desto günstiger der Beitrag dauerhaft. Vor dem Referendariat lohnt sich die PKV-Anwartschaft, um spätere Wechselrechte zu sichern.
Pension oder Rente? Der größte langfristige Unterschied
Bayerische Beamte erhalten nach 40 Dienstjahren bis zu 71,75 Prozent ihrer letzten Besoldung als lebenslange Pension. Angesichts des hohen bayerischen Einstiegsgehalts ist der absolute Pensionsvorteil besonders groß.
| Merkmal | Beamter Bayern (Pension) | Angestellter Bayern (Rente) |
|---|---|---|
| Beiträge während Berufsleben | Keine Rentenversicherung | Ca. 477 Euro/Monat (RV) |
| Zusatzversorgung | Keine nötig | VBL-Rente (geringer Betrag) |
| Versorgung nach 40 Dienstjahren | 71,75 % der Endbesoldung | GRV-Rente ca. 55 % des Netto |
| Beispiel Pension/Rente A13/E13 Endstufe | ca. 4.200 Euro brutto/Monat | ca. 2.100 Euro brutto/Monat |
| Witwen- und Waisenversorgung | 55 % der Pension | GRV-Hinterbliebenenrente |
| Lebenszeitvorteil Beamter (Schätzung 20 J.) | ca. 500.000 Euro | |
Rechenbeispiel Bayern: Ein verbeamteter Gymnasiallehrer in A13 erhält nach 40 Dienstjahren eine Pension von ca. 4.200 Euro brutto pro Monat. Ein angestellter Kollege kommt mit gesetzlicher Rente und VBL auf ca. 2.100 Euro. Der Unterschied über 20 Rentenjahre beläuft sich auf rund 500.000 Euro. Hinzu kommt: Die Pension wird bei jeder Besoldungserhöhung automatisch angepasst und ist damit inflationsgesichert.
Wann wird man in Bayern als Lehrer angestellt statt verbeamtet?
In Bayern ist die Verbeamtung der Regelfall für alle vollständig ausgebildeten Lehrkräfte. Angestellt wird, wer eine dieser Bedingungen nicht erfüllt:
Höchstalter überschritten
In Bayern darf man bei Einstellung grundsätzlich nicht älter als 45 Jahre alt sein. Für Schwerbehinderte gilt eine Ausnahmeregelung.
Kein zweites Staatsexamen
Quereinsteiger ohne vollständiges Referendariat werden als Tarifbeschäftigte eingestellt, weil die Laufbahnbefähigung fehlt.
Gesundheit
Wer die amtsärztliche Untersuchung nicht besteht, kann nicht verbeamtet werden und wird ggf. im Angestelltenverhältnis beschäftigt.
Befristete Stelle
Vertretungsstellen werden oft befristet als Angestelltenverhältnis besetzt, auch wenn die Person grundsätzlich verbeamtungsfähig wäre.
Die richtige Absicherung als verbeamteter Lehrer in Bayern
Mit der Verbeamtung entfällt der GKV-Schutz. Wer frühzeitig plant, spart dauerhaft Geld und schließt keine Lücken.
Fazit: Beamter oder Angestellter als Lehrer in Bayern?
Bayern bietet das bundesweit höchste Lehrergehalt, und der Vorteil des Beamtenstatus ist hier besonders ausgeprägt. Der monatliche Nettovorteil von rund 670 Euro, die 100-prozentige Jahressonderzahlung statt 35 Prozent im TV-L und der enorme Pensionsvorteil machen das Beamtenverhältnis zur klar besseren Wahl. In Bayern ist die Anstellung kein freiwilliger Verzicht, sondern ergibt sich fast immer aus rechtlichen Einschränkungen.
Wer verbeamtet wird, sollte die drei wichtigsten Absicherungen von Anfang an regeln: PKV, DU-Versicherung und Diensthaftpflicht. Je früher, desto günstiger.
- Verbeamtung anstreben, solange die Voraussetzungen erfüllt sind
- PKV-Anwartschaft vor dem Referendariat prüfen
- DU-Versicherung mit Beamtenklausel frühzeitig abschließen
- Diensthaftpflicht vor dem ersten Unterrichtstag abschließen
- Jahressonderzahlung (100 % in Bayern) bei der Haushaltsplanung berücksichtigen
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