Beamter oder Angestellter als Lehrer in Hessen? Gehalt, Pension und Kranken­versicherung im Vergleich

Florian Heuer
Autor: Florian Heuer
19. März 2026 · 13 Min. Lesezeit
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Beamter oder Angestellter als Lehrer in Hessen? Gehalt, Pension und Kranken­versicherung im Vergleich

Beamter oder Angestellter als Lehrer in Hessen? Gehalt, Pension und Kranken­versicherung im Vergleich

Hessen verbeamtet Lehrkräfte grundsätzlich, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, und bietet mit dem Höchstalter von 50 Jahren eine der kulantesten Regelungen bundesweit. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede bei Nettolohn, Jahressonderzahlung, Beihilfe und Pension konkret mit Zahlen für 2026.

Der wichtigste Unterschied auf einen Blick

In Hessen werden Lehrkräfte mit vollständiger Lehramtsausbildung grundsätzlich verbeamtet. Das Höchstalter liegt bei 50 Jahren und damit so hoch wie in kaum einem anderen Bundesland. Angestellte Lehrkräfte sind die Ausnahme: Quereinsteiger ohne zweites Staatsexamen, befristete Vertretungsstellen oder Personen jenseits der Altersgrenze. Grundschullehrkräfte werden seit August 2023 schrittweise auf A13 angehoben, vollständig ab 2028.

🏛️Beamter
RechtsgrundlageHBesG
Gehalt heißtBesoldung
KrankenversicherungPKV + Beihilfe 50 %
RentenversicherungKeine Beiträge
AltersversorgungPension bis 71,75 %
JahressonderzahlungUrlaubsgeld im Juli
Höchstalter Verbeamtung50 Jahre
Netto Einstieg A13ca. 3.370 Euro
📋Angestellter (TV-L)
RechtsgrundlageTV-L Hessen
Gehalt heißtEntgelt
KrankenversicherungGKV (Pflicht)
Rentenversicherungca. 477 Euro/Monat
AltersversorgungGRV + VBL-Rente
Jahressonderzahlungca. 30 % (TV-L He)
KündigungsschutzNormal (KSchG)
Netto Einstieg E13ca. 2.920 Euro

Hinweis: Nettowerte für Steuerklasse I, ledig, keine Kinder, keine Kirchensteuer. Beim Beamten ist ein PKV-Beitrag von ca. 320 Euro abgezogen. Die tatsächlichen Werte hängen von persönlichen Faktoren ab. Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung.

Gehaltsvergleich: Was kommt netto an?

Hessen liegt bei der Lehrerbesoldung im soliden Mittelfeld. Das A13-Einstiegsgehalt wurde zuletzt zweimal erhöht, zuletzt ab Dezember 2025. Der Nettovorteil des Beamten entsteht durch den Wegfall von Rentenversicherung, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung sowie die günstigere PKV mit Beihilfe.

Monatliches Gehalt im Vergleich: Beamter A13 vs. Angestellter E13 in Hessen (Steuerklasse I, ledig)
Beamter (A13, Stufe 3 inkl. Jahressonderzahlung anteilig)
Brutto
5.018 Euro
Steuer + PKV
1.648 Euro
Netto
3.370 Euro
Angestellter (E13, Stufe 3)
Brutto
4.935 Euro
SV + Steuer
2.015 Euro
Netto
2.920 Euro
Monatlicher Nettovorteil Beamter: ca. +450 Euro  |  Im Jahr: ca. +5.400 Euro
Beamter
Angestellter
Abzüge
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PositionBeamter A13, Stufe 3Angestellter E13, Stufe 3
Bruttogehalt/Monat (inkl. JSZ anteilig)ca. 5.018 Euroca. 4.935 Euro
Lohnsteuerca. 1.148 Euroca. 940 Euro
Rentenversicherungentfälltca. 458 Euro
Arbeitslosenversicherungentfälltca. 64 Euro
Pflegeversicherungentfälltca. 118 Euro
Krankenversicherung GKVentfällt (PKV stattdessen)ca. 415 Euro
PKV-Beitrag Beamterca. 320 Euroentfällt
VBL-Zusatzrente Angestellterentfälltca. 20 Euro
Netto geschätztca. 3.370 Euroca. 2.920 Euro
Monatlicher Nettovorteil Beamterca. 450 Euro mehr netto

Hessen-Besonderheit Jahressonderzahlung: Hessische Beamte erhalten ihre Sonderzahlung im Juli als sogenanntes Urlaubsgeld, anders als in den meisten Bundesländern, wo die Zahlung im November erfolgt. Angestellte im TV-L Hessen erhalten eine Jahressonderzahlung von ca. 30 Prozent. Dieser Unterschied ist in den monatlichen Nettowerten oben bereits anteilig eingerechnet.

Besoldung Beamter: A12 und A13 in Hessen

Hessen hat die Besoldung zuletzt ab 1. Dezember 2025 nach dem Hessischen Besoldungsanpassungsgesetz (HBesAnpG) angehoben. Die aktuellen Werte gelten seit Dezember 2025 und sind die Grundlage für 2026. Grundschullehrkräfte werden seit August 2023 schrittweise von A12 auf A13 angehoben, in sechs Jahresschritten bis 2028. Gymnasium und weiterführende Schulen starten direkt in A13. Aktuelle Werte (gültig ab Dezember 2025, Stand 2026):

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Lehramt / SchulformBes.gruppeEinstieg (Stufe 1)Nach 6 Jahren (Stufe 4)Endstufe (Stufe 8)
Grundschule (bis 2028, schrittweise)A 12 + Zulageca. 4.211 Euroca. 4.627 Euroca. 5.184 Euro
Grundschule (ab 2028 vollständig)A 13ca. 4.720 Euroca. 5.174 Euroca. 6.060 Euro
Haupt-, Real-, FörderschuleA 13ca. 4.720 Euroca. 5.174 Euroca. 6.060 Euro
Gymnasium, Berufl. SchulenA 13ca. 4.720 Euroca. 5.174 Euroca. 6.060 Euro

Hessen hat mit dem Höchstalter von 50 Jahren die bundesweit kulanteste Altersgrenze für die Verbeamtung. Das A13-Grundgehalt liegt aktuell solide im Bundesvergleich. Hinzu kommen Familienzuschlag, vermögenswirksame Leistungen und die Jahressonderzahlung im Juli.

Entgelt Angestellte: TV-L Hessen

Angestellte Lehrkräfte in Hessen werden nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) vergütet. Die Eingruppierung richtet sich nach Schulform und Qualifikation. Aktuelle Bruttogehälter (Stand 2026):

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Lehramt / SchulformEntgeltgruppeStufe 1Stufe 3Stufe 6 (Endstufe)
Grundschule (ohne vollst. Lehramtsabschluss)E 11ca. 3.990 Euroca. 4.240 Euroca. 5.020 Euro
Grundschule, Realschule (mit Lehramtsabschluss)E 13ca. 4.530 Euroca. 4.935 Euroca. 6.330 Euro
Gymnasium, Berufl. SchulenE 13ca. 4.530 Euroca. 4.935 Euroca. 6.330 Euro

Das Bruttogehalt in E13 enthält alle Sozialversicherungsbeiträge, die der Arbeitnehmer selbst trägt. Nach Abzug aller Beiträge liegt das Netto eines angestellten Gymnasiallehrers in E13 Stufe 3 bei rund 2.920 Euro. Sein verbeamteter Kollege in A13 kommt auf ca. 3.370 Euro netto. Dazu fällt die Jahressonderzahlung beim Angestellten mit nur ca. 30 Prozent deutlich geringer aus als beim Beamten.

Krankenversicherung in Hessen

Hessische Beamte haben keinen GKV-Wahlrechtsanspruch wie NRW-Beamte. Sie sind auf die Kombination aus Beihilfe und privater Krankenversicherung angewiesen. Angestellte sind GKV-pflichtig.

Beamter: PKV und Beihilfe

Hessen übernimmt 50 Prozent der Krankenkosten als Beihilfe (70 Prozent ab 2 Kindern). Den Rest deckst du über eine PKV. Für gesunde Berufseinsteiger liegt der Beitrag bei ca. 250 bis 350 Euro pro Monat und damit deutlich unter der GKV.

Angestellter: GKV-Pflicht

Angestellte Lehrkräfte sind sozialversicherungspflichtig und zahlen den vollen GKV-Beitrag von ca. 16,8 Prozent des Bruttos. Kein Beihilfeanspruch, kein PKV-Wahlrecht.

Kein GKV-Wahlrecht

Anders als NRW bietet Hessen keine pauschale Beihilfe mit GKV-Option. Wer als hessischer Beamter gesundheitlich nicht privat versicherbar ist, steht vor einer echten Herausforderung.

PKV früh abschließen

Je jünger und gesünder du beim Einstieg in die PKV bist, desto günstiger der Beitrag dauerhaft. Vor dem Referendariat lohnt sich eine PKV-Anwartschaft, um spätere Wechselrechte zu sichern.

Pension oder Rente? Der größte langfristige Unterschied

Hessische Beamte erhalten nach 40 Dienstjahren bis zu 71,75 Prozent ihrer letzten Besoldung als lebenslange Pension. Die Pension wird automatisch angepasst, wenn die Besoldung steigt.

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MerkmalBeamter Hessen (Pension)Angestellter Hessen (Rente)
Beiträge während BerufslebenKeine RentenversicherungCa. 458 Euro/Monat (RV)
ZusatzversorgungKeine nötigVBL-Rente (geringer Betrag)
Versorgung nach 40 Dienstjahren71,75 % der EndbesoldungGRV-Rente ca. 55 % des Netto
Beispiel Pension/Rente A13/E13 Endstufeca. 4.350 Euro brutto/Monatca. 2.100 Euro brutto/Monat
Witwen- und Waisenversorgung55 % der PensionGRV-Hinterbliebenenrente
Lebenszeitvorteil Beamter (Schätzung 20 J.)ca. 540.000 Euro

Rechenbeispiel Hessen: Ein verbeamteter Gymnasiallehrer in A13 erhält nach 40 Dienstjahren eine Pension von ca. 4.350 Euro brutto pro Monat. Ein angestellter Kollege kommt mit gesetzlicher Rente und VBL auf ca. 2.100 Euro. Der Unterschied über 20 Rentenjahre beläuft sich auf rund 540.000 Euro. Hinzu kommt: Die Pension wird bei jeder Besoldungserhöhung automatisch angepasst und ist damit inflationsgesichert.

Wann wird man in Hessen als Lehrer angestellt statt verbeamtet?

In Hessen ist die Verbeamtung der Regelfall. Das Höchstalter von 50 Jahren macht Hessen besonders attraktiv für Lehrkräfte, die erst spät in den Schuldienst wechseln. Angestellt wird, wer eine dieser Bedingungen nicht erfüllt:

Höchstalter 50 Jahre

Hessen erlaubt Verbeamtungen bis zum vollendeten 50. Lebensjahr. Das ist bundesweit einer der großzügigsten Werte und macht Hessen attraktiv für Quereinsteiger und Seiteneinsteiger.

Kein zweites Staatsexamen

Quereinsteiger ohne vollständiges Referendariat werden als Tarifbeschäftigte eingestellt, da die Laufbahnbefähigung fehlt.

Gesundheit

Wer die amtsärztliche Untersuchung nicht besteht, kann nicht verbeamtet werden und wird ggf. im Angestelltenverhältnis beschäftigt.

Befristete Stelle

Vertretungsstellen werden oft befristet als Angestelltenverhältnis besetzt, auch wenn die Person grundsätzlich verbeamtungsfähig wäre.

Die richtige Absicherung als verbeamteter Lehrer in Hessen

Mit der Verbeamtung entfällt der GKV-Schutz. Wer frühzeitig plant, spart dauerhaft Geld und schließt keine Lücken.

🏥Private Kranken­versicherung
Als hessischer Beamter hast du Beihilfeanspruch von 50 Prozent. Den Rest deckst du über eine PKV. Für gesunde Berufseinsteiger ist das günstiger als die GKV und bietet oft bessere Leistungen. Je früher du einsteigst, desto niedriger bleibt der Beitrag dauerhaft.
🛡️DU-Versicherung
Im Referendariat und in der Probezeit hast du noch keinen vollen Pensionsanspruch. Bei Dienstunfähigkeit kann das Beamtenverhältnis ohne Versorgung enden. Die DU-Versicherung zahlt eine monatliche Rente unabhängig von der Dienstzeit. Achte auf eine vollständige Beamtenklausel.
⚖️Diensthaft­pflicht
Als Lehrkraft haftest du persönlich für Schäden im Schulalltag. Ob Sportunfall oder beschädigtes Gerät: Die Diensthaftpflicht schützt dich vor unerwarteten Kosten vom ersten Schultag an.

Fazit: Beamter oder Angestellter als Lehrer in Hessen?

Hessen überzeugt mit dem bundesweit höchsten Verbeamtungsalter von 50 Jahren und einer soliden Besoldung, die zuletzt zum Dezember 2025 angehoben wurde. Der monatliche Nettovorteil von rund 450 Euro, dazu der enorme Pensionsvorteil gegenüber der gesetzlichen Rente und die günstigere PKV mit Beihilfe machen das Beamtenverhältnis zur klar besseren Wahl. Die Anstellung ist in Hessen fast immer eine Folge rechtlicher Einschränkungen, kein freiwilliger Verzicht.

Wer verbeamtet wird, sollte die drei wichtigsten Absicherungen von Anfang an regeln: PKV, DU-Versicherung und Diensthaftpflicht. Je früher, desto günstiger.

  • Verbeamtung anstreben, das Höchstalter von 50 Jahren in Hessen nutzen
  • PKV-Anwartschaft vor dem Referendariat prüfen
  • DU-Versicherung mit Beamtenklausel frühzeitig abschließen
  • Diensthaftpflicht vor dem ersten Unterrichtstag abschließen
  • Jahressonderzahlung (Urlaubsgeld im Juli) bei der Haushaltsplanung berücksichtigen

Alle Infos zu Besoldung, Referendariat und Absicherung als Lehrer in Hessen.

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