Kleine und große Anwartschaft bei Polizisten: Unterschiede, Vorteile und Kosten
Als Polizist mit freier Heilfürsorge brauchst du im aktiven Dienst keine eigene Krankenversicherung – aber spätestens zur Pension endet die Heilfürsorge, und dann zählt dein Gesundheitszustand und dein Alter beim PKV-Einstieg. Genau hier setzt die Anwartschaft an. Die Frage ist nur: kleine oder große Anwartschaft? Der Unterschied kostet dich heute wenige Euro – und entscheidet später über hunderte Euro Beitrag im Monat. Dieser Leitfaden erklärt beide Varianten mit konkreten Zahlen und einer klaren Empfehlung.
Warum Polizisten überhaupt eine Anwartschaft brauchen
In den meisten Bundesländern erhältst du als Polizist freie Heilfürsorge: Dein Dienstherr trägt während der aktiven Dienstzeit deine Krankheitskosten. Der Haken: Die Heilfürsorge endet spätestens mit dem Ruhestand. Danach bekommst du Beihilfe (in der Regel 70 %) und musst die restlichen rund 30 % über eine private Krankenversicherung absichern.
Das Problem: Wenn du erst mit 60 in die PKV einsteigst, sind zwei Dinge teuer geworden – dein Eintrittsalter und mögliche Vorerkrankungen, die im Dienst dazugekommen sind. Eine Anwartschaft löst genau das: Sie sichert dir heute die Bedingungen für den späteren Einstieg. Die Frage ist nur, wie viel sie einfriert – und da unterscheiden sich kleine und große Anwartschaft.
Kurz gesagt: Die kleine Anwartschaft sichert deinen Gesundheitszustand. Die große Anwartschaft sichert zusätzlich dein junges Eintrittsalter und baut Alterungsrückstellungen auf. Beides schützt vor einer erneuten Gesundheitsprüfung – aber nur die große schützt auch vor einem teuren Beitrag im Alter.
Kleine vs. große Anwartschaft: der direkte Vergleich
Die folgende Tabelle stellt beide Varianten Punkt für Punkt gegenüber – das ist der schnellste Weg, den Unterschied zu verstehen.
| Merkmal | Kleine Anwartschaft | Große Anwartschaft |
|---|---|---|
| Gesundheitszustand eingefroren | Ja | Ja |
| Eintrittsalter eingefroren | Nein – Beitrag nach späterem Alter | Ja – junges Alter zählt |
| Alterungsrückstellungen | Nein | Ja – werden aufgebaut |
| Beitrag heute | sehr günstig, oft ab ~1–32 € | höher, oft ~30–80 € |
| Beitrag später in der PKV | höher (spätes Eintrittsalter) | deutlich niedriger & stabiler |
| Schutz vor neuer Gesundheitsprüfung | Ja | Ja |
| Ideal für | Ausbildungszeit / kurze Heilfürsorge | lange Heilfürsorge bis zur Pension |
Der Kern-Unterschied: Beide Varianten ersparen dir die erneute Gesundheitsprüfung. Aber nur die große Anwartschaft friert auch dein Eintrittsalter ein. Weil der PKV-Beitrag maßgeblich vom Alter beim Einstieg abhängt, ist das der Hebel, der später hunderte Euro im Monat ausmachen kann.
Was kosten kleine und große Anwartschaft konkret?
Die Beiträge hängen von Anbieter, Alter und Tarif ab. Die folgenden Werte sind typische Größenordnungen aus dem Markt und dienen zur Orientierung – die genaue Zahl liefert ein individueller Vergleich.
Größenordnung des Unterschieds: Der Mehrbeitrag der großen gegenüber der kleinen Anwartschaft liegt oft bei rund 50 bis 70 € brutto im Monat – nach Steuervorteil real spürbar weniger. Dafür kann die große Anwartschaft den späteren PKV-Beitrag im Ruhestand um bis zu rund 35 % senken. Über die Jahre kehrt sich der scheinbare Nachteil also klar ins Gegenteil.
Ersparnis-Rechner: Was bringt dir die große Anwartschaft?
Stell ein, wie viel mehr du heute für die große statt der kleinen Anwartschaft zahlst und wie viel du dadurch später monatlich in der PKV sparst. Der Rechner zeigt dir die grobe Bilanz über die Jahre.
Die richtige Strategie: erst klein, dann groß
Die von Polizeigewerkschaften und Beratern am häufigsten empfohlene Vorgehensweise ist zweistufig – sie kombiniert niedrige Kosten am Anfang mit maximalem Vorteil danach.
Wichtig bei Unsicherheit: Bist du dir noch nicht sicher, ob du dauerhaft im Polizeidienst bleibst, warte mit der Umwandlung in die große Anwartschaft. Denn steigst du später dauerhaft in die gesetzliche Kasse um, können die aufgebauten Alterungsrückstellungen verloren gehen. Die kleine Anwartschaft bleibt in diesem Fall die flexiblere Wahl.
Wann ist welche Anwartschaft die richtige?
Als Orientierung – wobei die konkrete Entscheidung immer vom Einzelfall abhängt:
Kleine Anwartschaft ist sinnvoll, wenn …
- du noch in der Ausbildung bist und die Kosten minimal halten willst
- du nur kurze Zeit Heilfürsorge beziehst (z. B. nur während der Ausbildung)
- du dir noch unsicher bist, ob du im Polizeidienst bleibst
- du sie später ohnehin in eine große Anwartschaft umwandeln willst
Große Anwartschaft ist sinnvoll, wenn …
- du bis zur Pension Heilfürsorge hast (die meisten Länder + Bundespolizei)
- du deinen Beitrag im Alter dauerhaft niedrig und stabil halten willst
- du jung bist – je früher, desto größer der Vorteil
- du den Steuervorteil der Alterungsrückstellungen nutzen möchtest
Altersgrenze beachten: Der Vorteil der großen Anwartschaft ist umso größer, je jünger du sie abschließt. Ab etwa 40 Jahren lohnt sich ein genauer Vergleich, ob der höhere Beitrag gegenüber der kleinen Variante wirtschaftlich noch aufgeht. Genau hier hilft eine individuelle Berechnung.
Häufige Fragen zu kleiner und großer Anwartschaft
Die kleine Anwartschaft friert nur deinen Gesundheitszustand ein – du kommst später ohne erneute Gesundheitsprüfung in die PKV, zahlst aber den Beitrag nach deinem dann erreichten Eintrittsalter. Die große Anwartschaft friert zusätzlich dein Eintrittsalter ein und baut Alterungsrückstellungen auf, wodurch dein späterer Beitrag deutlich niedriger und stabiler bleibt.
Die kleine Anwartschaft gibt es je nach Anbieter oft schon ab rund 1 bis 32 € im Monat. Die große Anwartschaft ist teurer, weil sie Alterungsrückstellungen aufbaut – sie startet häufig bei etwa 30 bis 80 € im Monat. Die konkreten Beiträge hängen von Alter, Tarif und Versicherer ab und sollten individuell verglichen werden.
Ja. Die Umwandlung von der kleinen in die große Anwartschaft ist in der Regel ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich. Der empfohlene Zeitpunkt ist nach der Ausbildung bzw. bei der Verbeamtung auf Probe – je früher, desto größer der Vorteil, weil ein jüngeres Eintrittsalter eingefroren wird.
Während der Ausbildung genügt meist die günstige kleine Anwartschaft, um den Gesundheitszustand zu sichern. Nach der Ausbildung – wenn feststeht, dass du im Polizeidienst bleibst und bis zur Pension Heilfürsorge hast – ist die Umwandlung in die große Anwartschaft sinnvoll, weil sie den späteren PKV-Beitrag spürbar senkt.
Der Vorteil der großen Anwartschaft ist umso größer, je jünger du sie abschließt. Ab etwa 40 Jahren sollte individuell geprüft werden, ob sich der höhere Beitrag gegenüber der kleinen Anwartschaft noch wirtschaftlich lohnt. Ein Vergleich der konkreten Zahlen ist hier entscheidend.
Die kleine Anwartschaft kannst du kündigen; bereits gezahlte Beiträge werden nicht erstattet. Bei der großen Anwartschaft sind Alterungsrückstellungen aufgebaut – wechselst du dauerhaft in die gesetzliche Kasse, können diese verloren gehen. Deshalb sollte vor der Umwandlung geklärt werden, ob die Beamtenlaufbahn feststeht.
Fazit: klein starten, groß umwandeln
Der Unterschied zwischen kleiner und großer Anwartschaft ist schnell erklärt: Beide sichern deinen Gesundheitszustand, aber nur die große friert auch dein junges Eintrittsalter ein und baut Alterungsrückstellungen auf. Genau das entscheidet später über deinen PKV-Beitrag im Ruhestand.
Für die meisten Polizisten ist die Strategie klar: in der Ausbildung mit der günstigen kleinen Anwartschaft starten, nach der Ausbildung bzw. bei der Verbeamtung auf Probe ohne neue Gesundheitsprüfung in die große umwandeln.
- Kleine Anwartschaft früh abschließen – ab rund 1 € im Monat
- Nach der Ausbildung in die große Anwartschaft umwandeln (ohne neue Prüfung)
- Je jünger die Umwandlung, desto größer der Beitragsvorteil im Alter
- Große Anwartschaft besonders wichtig bei Heilfürsorge bis zur Pension
- Pflegepflichtversicherung (PVB) mit der Anwartschaft kombinieren
- Ab ca. 40 Jahren individuell durchrechnen lassen
Hinweis zu den Zahlen: Alle Beitrags- und Ersparnisangaben sind marktübliche Beispielwerte und dienen der Orientierung. Reale Beiträge hängen von Anbieter, Alter, Bundesland, Tarif und Gesundheitszustand ab. Diese Seite ersetzt keine individuelle Beratung.
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